Rolf Schieder, Wieviel Religion verträgt
Deutschland?
Edition suhrkamp 2195, 2001, 9,50 Euro
Rolf Schieder, geb. "1953, lehrt evangelische Theologie an der
Universität Koblenz-Landau. Publikationen zu Zivilreligion, Politischer Kultur
und Religion in den Medien.
Im Umgang mit Religion(en) befindet sich ein liberales Staatswesen wie das
deutsche in einem Dilemma. Die Trennung von Staat und Kirche und die
grundgesetzlich verbriefte Religionsfreiheit verpflichten den Staat zur
Neutralität gegenüber den verschiedenen Konfessionen; in der Praxis wird
jedoch das christliche Weltbild sowohl auf administrativer wie auf symbolischer
Ebene privilegiert. Dies führt zu Spannungen, die eine Radikalisierung
religiöser Gruppierungen begünstigen. Wir benötigen ein zivilreligiöses
Gesamtkonzept, das der gar nicht zu vermeidenden Verquickung von Politik und
Religion Rechnung trägt. Rolf Schieder plädiert daher nicht für
Säkularisierung (die nur neue, undurchschaute fundamentalreligiöse Positionen
fördern würde), sondern für Modernisierung von Religion.
Wie diese aussehen könnte, zeigt Schieder an verschiedenen religionspolitischen
Problemfeldern, die in den letzten Jahren in Deutschland zutage getreten sind.
Zu nennen sind u. a. das Verhältnis von Deutschen und Juden, das
Kruzifix-Urteil, der LER-Unterricht in Brandenburg und der Kopftuch-Streit in
Baden- Württemberg.
Friedrich Halfmann