Felix Hammer, Rechtsfragen der
Kirchensteuer
Jus Ecclesisticum 66
Tübingen 2002, 79.00 Euro
Der Autor, Jahrgang 1957, seit April 2002 im Dienst der Diözese
Rottenburg-Stuttgart, hat untern einem bescheiden klingenden Titel eine
fundamentale Arbeit präsentiert. - Es ist völlig unmöglich, die inhaltliche
Fülle des Buches angemessen zu würdigen. Darum soll hier nur auf ein Merkmal
besonders aufmerksam gemacht werden. Der Autor denkt und schreibt in einer für
einen Kirchenbediensteten ungewöhnlich souveränen Distanz zu seinem
Gegenstand. Die grundgesetzliche Verankerung der Kirchensteuer, im ersten Satz
der Einleitung genannt, wird bereits im zweiten Satz in den für den vom Autor
für ganz selbstverständlich gehaltenen größeren Kontext gestellt: "Ob
freilich die Kirchensteuer ein sach- und zeitgemäßes Finanzierungsinstrument
außerstaatlicher Institutionen im weltanschaulich neutralen, freiheitlichen,
demokratischen und sozialen Staat an der Wende zum 3. Jahrtausend zu bilden
vermag, kann allein aufgrund des knappen Wortlauts des Art. 137 VI WRV nicht
beantwortet werden". S. 1
Auch die von ihm angestellten Untersuchungen und evtl. Lösungsvorschläge sind
s.E. nicht überzeitlich gültig sondern müssen immer wieder aufs Neue
geleistet werden unter "sorgfältiger Einbeziehung nicht nur gewandelter
Rechts- und Verfassungsstrukturen ...sowie auch des aktuellen Bildes der
Gesellschaft vom Staat sowie von den Kirchen und übrigen
Religionsgemeinschaften ...." S. 2. Dementsprechend überrascht nicht, dass
sich der Autor am Ende ausdrücklich mit Rechtschutzfragen beschäftigt, die
auch die Grenzen kirchlicher Macht thematisieren. Vgl. dem Textauszug zur
Zuständigkeitabgrenzung zwischen staatlicher und kirchlicher Gerichtsbarkeit.
Friedrich Halfmann