Josef-Gesellschaft interessiert an Caritas

  Köln/Trier - Im kirchlichen Gesundheitswesen bahnt sich ein größerer Zusammenschluss an. Die Kölner Josef-Gesellschaft prüft eine Übernahme der Caritas Trägergesellschaft Trier (CTT), die wegen Untreue ihres Ex-Managers Hans Joachim Doerfert angeschlagen ist. Das teilten die beiden Träger am Mittwoch mit. Mit etwa 9000 Mitarbeitern in sechs Bundesländern entstünde eines der größten Unternehmen im deutschen Gesundheitswesen. Bis Ende 2002 soll über die Allianz entschieden werden. Die beiden katholischen Gesellschaften betreiben Krankenhäuser, Rehabilitationskliniken und Hilfseinrichtungen für Behinderte und ältere Menschen. dpa

SZ 25.7.2002

Freiheitsstrafe für Ex-Manager Doerfert

Wegen Untreue in Millionenhöhe hat das Landgericht Koblenz den Trier Ex-Caritas-Manager Hans-Joachim Doerfert am Montag zu sieben Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Doch damit ist die gerichtliche Aufarbeitung des "Systems Doerfert" noch nicht beendet....

Der 57-jährige Manager ... hinterließ eine Schneise con 60 Ermittlungsverfahren, Rücktritten, Rückzügen und "kleineren" Vergehen von der Steuerhinterziehung bis zum Subventionsbetrug. Der Schaden .... wird auf rund 39 Mio Mark beziffert.

Die gerichtliche Aufarbeitung ist längst nicht abgeschlossen. Die bayrische Staatsanwaltschaft bereitete in Zusammenhang mit Immobiliengeschäften Doerferts eine Anklage vor. Zudem steht Doerfert ein weiterer Prozess in Koblenz bevor. Am Freitag erhob die Koblenzer Staatsanwaltschaft gegen Doerfert eine zweite Anklage; wegen Kreditbetrugs, Untreue und wegen Beihilfe zum Betrug. Gegenstand ist ein 60 Millionen Mark Kredit für die Klinik Rose AG. Die Staatsanwälte wollen auch Zahlungen von 190000 Mark der CTT an die Junge Union Saar und den Trierer CDU-Kreisverband klären, dessen Schatzmeister Doerfert war. Für die 9000 Mitarbeiter in 43 Einrichtungen bergen die Folgen des Skandals großes berufliches Risiko. Noch immer prüft das Finanzamt Trier die Aberkennung der Gemeinnützigkeit. Als Beitrag zur Konzernsanierung wurden bereits Gehaltskürzungen und Entlassungen für ein ,Restrukturierungskonzeptes" angedroht.

FR 6.2.2001

Nach dem Ende des Koblenzer Strafprozesses stehen Doerfert zwei weitere Gerichtsverfahren ins Haus: Unlängst erhob die Münchener Staatsanwaltschaft gegen ihn Anklage wegen des Verdachts der Angestellten-Bestechung in einem besonders schweren Fall und wegen des Verdachts der Untreue. Der Strafprozess in der bayerischen Landeshauptstadt soll am 2. März beginnen.

KNA 6.2.2001

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imprimatur - Dokumentation

Der Doerfert-Skandal

Imprimatur, Kritische Katholiken und ihre Zeitschrift, herausgegeben vom gleichnamigen Arbeitskreis Imprimatur, Trier, hat in zwei längeren Beiträgen den noch nicht abgeschlossenen Skandal dargestellt.

 

Pilatus Spital und der Doerfert-Skandal (I)

aus: imprimatur 7/99, S. 265ff

Das Unheil begann 1985. Anekdotisch fing es in der Flughafen Wartehalle an, wo sich der Bischof von Trier, Spital, und der Geschäftsführende Direktor des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder, ein Rechtsanwalt namens Hans-Joachim Doerfert, kennen lernten. Beide gehörten zur Pilgergruppe, die nach Rom unterwegs war, zur Seligsprechung von Peter Friedhofen, dem Ordensgründer der Barmherzigen Brüder. Spital u. Doerfert kamen ins Gespräch; der Bischof suchte schon lange nach einer Problemlösung für Kirchliche Krankenhäuser, die kleinen vor allem, die nicht leben und nicht sterben wollten. Die Ordensleute gehen, ihre Krankenhäuser bleiben. Also sucht man neue "Träger"; die Häuser müssen saniert und modernisiert werden, also sucht man Geld und Konzepte. Und da wusste Doerfert Rat.

Doerfert hatte bereits mit ein paar Arztfreunden die "Deutsche Gesellschaft für Krankenpflege" gegründet; in kurzer Zeit übernahm seine Gesellschaft kleine Krankenhäuser (z.B. das in Illingen an der Saar) und große (z.b. die Kreiskrankenhäuser in Bernkastel an der Mosel und in Wittlich in der Eifel). Doerferts Konzept ist einfach:

- Man muss Häuser wettbewerbsfest machen, man muss schneller und stärker sein als die anderen,

- man stattet sie immer mit den neuesten Medizinmaschinen aus und verdrängt auf diese Weise andere (vor allem Gemeinschaftspraxen) vom Markt;

- man muss umwidmen (z.B. "Rehaklinik...", für Anschlussheilbehandlung),

- und spezialisieren (z.b. "...für Orthopädie"),

- man muss die Beschaffungsfirmen ("zentraler Einkauf für alle Einrichtungen und Arzneimittel") selbst betreiben, denn warum sollen andere mein Geld verdienen?

- die Ärztliche Abrechnung muss Geld über die eigene Mühle leiten. Also gründet er die Ärztliche Abrechnung Trier (ÄAT). Eine Spitzenidee ist die Gründung von Kapitalgesellschaften, die keinen anderen Zweck haben, als Geld zu machen, mit dem man dann anschließend Gutes tun will. Das können Herzkliniken oder Hotels oder Kurhäuser sein. Und sogar Großkinos wie das Cinemaxx in Trier. Der Mann fürs Geld hieß Doerfert, seine neue Firma Klinik Rose AG.

- Mit der Geldbeschaffungsidee war (ist) Bischof Spital einverstanden.

An Krankheiten lässt sich gut Geld verdienen

Denn, Hauptsache: für Sozialeinrichtungen aller Art (Kliniken, Altenheime, Kurheime usw.) gibt es öffentliche Zuschüsse, millionenmäßig. Nur auskennen muss man sich. Ein paar Sonntagsreden über die Nächstenliebe sind schnell gehalten. Jetzt musste Doerfert nur noch den Caritasnamen bekommen, weil das sehr praktisch ist zur Anerkennung der Gemeinnützigkeit. Als Doerfert den Bischof um den Caritasnamen bat, hatte er vor alle die Bedingung zu erfüllen: alle Mitarbeiter werden verpflichtet, den Glaubens- und Sittenlehren der katholischen Kirche zu folgen; Geschiedene, die wieder heiraten, werden aus dem Dienst entfernt.

So wurde 1987 aus Doerferts Firma ein Caritasableger ("ctt", Caritas Träger Trier), und es gehörten ihr schon acht Einrichtungen. "Wir wollen auf Platz eins", formulierte Doerfert; "eine unbändig kraftvolle Entwicklung" der Firma ctt stellte der Paulinus beim lOjährigen Jubiläum 1997 fest.

Tatsächlich aber war die ctt schnell in der Defensive, denn es gab jeden Tag Doerfert-Skandale; der davon nichts mitbekam oder alles für üble Nachrede hielt, war Bischof Spital.

Doerferts Skandalliste

Der erste Doerfert-Skandal: Manager müssen angeblich "knallhart" sein, sonst wären sie nicht erfolgreich. Aber Doerfert war nicht knallhart, sondern unverschämt, rücksichtslos und ruppig; niemand im Brüderkrankenhaus war derart unbeliebt und verhasst wie dieser Chef. Wer ihm widersprach, beging so was wie Karriere-Selbstmord, - wenn man denn bei Krankenschwestern und Pflegern von Karriere sprechen kann. Er mobbte, wo es nur ging; er nötigte Firmen Spenden ab, er arbeitete mit Angst und Einschüchterung; er entließ und stellte ein nach Gutdünken, - ein typischer Klimavergifter. Doerfert - krankhaft autoritär; alle wussten es, nur der Bischof nicht.

Als Präsident des Fußballvereins Eintracht Trier beschimpfte er den 2. Vorsitzenden Gussner öffentlich als "stil- und formatlos", dann bezweifelte er dessen "intellektuelle Fähigkeiten"; fiel der Fußballbericht im Sportteil nicht so aus wie Doerfert es wollte, dann sagte er von den Sportjournalisten, sie seien "Lohnschreiber", sie berichteten "erbärmlich, wahrheitswidrig" und überhaupt sei alles "miesester Journalismus".

Das hätte der Bischof lesen können, aber er liest in der Zeitung nicht die Sportseiten. Die 1. Fußballmannschaft speiste übrigens gelegentlich im Herz-Jesu-Krankenhaus, das der ctt gehört, auf Kosten des Hauses ("brunchen" nennt man das heute); der Chefkoch soll kurz davor gewesen sein, sich an höherer Stelle über die hohe Etatbelastung zu beschweren. Der Bischof hörte davon nichts.

Der zweite Skandal:

wie er mit dem Geld umging. Einmal berichtete die Zeitung, Doerfert habe 500.000 Mark in Plastiktüten über die Grenze ins nahe Luxemburg gebracht. Jemand hatte ihm "einbehaltene Sachkosten" zu erstatten; man einigte sich außergerichtlich; jenseits der Grenze am Bankschalter hat Doerfert festgestellt, dass nur 460.000 DM in der Tüte waren - sein Geschäftspartner hatte ihn getäuscht.

Dem Bischof soll Doerfert versichert haben, es sei nichts Illegales daran gewesen, der Bischof war's zufrieden.

Was verdient man auf der Chefetage?

Die ctt wurde in den letzten Jahren von einem Dreierkonsortium geleitet, von Bernhard Veit, Dr. med. Heinrich Hennekeuser und Hans-Joachim Doerfert, der immer das erste und letzte Wort hatte. Was verdient denn so ein geschäftsführender Vorsitzender, wie sind die Verträge? Diese naheliegende Frage stellten die Journalisten in der Pressekonferenz am 27.8.1999. Für den Bischof antwortete Dirk Wummel, Hauptabteilungsleiter Finanzen im Bischöflichen Generalvikariat Trier: "Wir wissen es nicht"; Wummel ließ wissen, dass man "einen Vertrag in den Unterlagen nicht gefunden" habe (inzwischen ist der Vertrag aufgetaucht; aber um die Frage ist man herumgekommen: Was verdienten Doerfert, Veit, Hennekeuser?). Wir sind auf (wohlbegründete) Schätzungen angewiesen, und wie immer in solchen Fällen tut man gut daran, niedrig zu schätzen.

Zu Lasten der ctt bekam Dr. med. Heinrich Hennekeuser pro Jahr mindestens 350.000 Mark; Bernhard Veit wird sicherlich nicht weniger haben; Doerfert selbst sagt man in der ctt heimlich nach, habe zuletzt ein Monatseinkommen (!) von 104.000 Mark bekommen. Man kann es kaum glauben, das wären 1,248 Millionen Märk im Jahr; die drei zusammen brachten es pro Jahr auf 1,948 Millionen. - Immerhin, wir sind bei der Caritas. -

Davon hat der Bischof nichts gewusst, Donnerwetter. Jener Dr. med. Hennekeuser war viele Jahre hindurch Chef der Inneren Medizin im Trierer Brüderkrankenhaus; niemand weiß, was ausgerechnet ihn dazu befähigte, Chef eines Konzerns mit 9000 Beschäftigten zu werden, aber Doerfert hat ihn der Medizin abgeworben und für das Betriebswirtschaftmanagement in der ctt-Chefetage gewonnen; man baute ihm für die aufreibende Arbeit eine Domkurie (die denkmal-geschützte Kurie wurde über Nacht abgerissen, dann wurde eine vollkommen neue Kurie gebaut, ein schönes, schlankes Wohnhaus mit drei Stockwerken, weniger als 500.000 Mark kann das nicht gekostet haben) und kaufte ihm sein Anwesen ("Villa Hennekeuser") im Weinort Kanzem ab: 1,6 Millionen Mark hat er dafür bekommen. Danach wusste aber die ctt mit der teuren Immobilie nichts anzufangen und musste sie für 900.000 Mark weiter verkaufen. Den Verlust von 700.000 Mark trug die ctt. Der Bischof wusste nichts davon, obwohl er doch regelmäßig in der Villa Hennekeuser in Kanzem zu Besuch war - die Leute im Dorf erzählen davon ("so gut wie alle zwei Wochen ist der Bischof hier"). Die bittere (menschliche) Enttäuschung, unter der Bischof Spital jetzt leidet, hat ihm übrigens nicht Doerfert zugefügt, sondern jener liebenswürdige Dr. Hennekeuser.

Alter Wein in alten Schläuchen

Aber ist denn jetzt bei der ctt nicht ein völlig neuer Anfang gemacht? Doerfert kann zur Zeit keinen Schaden mehr anrichten, er sitzt in U-Haft; die Schadensbegrenzung und Firmenentflechtung hat mit "neuen" Leuten begonnen: der Doerfert-Nachfolger ist Prälat Hans Lambert, - aber war er nicht lange schon im inneren ctt-Kreis tätig? Und versteht er was von Aktienkapital und Firmenentflechtung?

Vor allem Bernhard Veit aus der alten Chefetage ist wieder dabei, und aus Bad Bergzabern kam Fritz Meyer, der Chef der Reha-Klinik "Edith Stein", ein alter Doerfert-Spezi. Ist das ein neuer Anfang?

Bischof Spital hat nie etwas gewusst, er hat nichts kommen sehen, wurde niemals misstrauisch und hat nie etwas prüfen lassen. Auch nicht im Februar 1998, als zwei hochrangige Landespolitiker eigens nach Trier gekommen waren, um dem Bischof vieles über Doerfert mitzuteilen, ausdrücklich: um den Bischof rechtzeitig zu warnen. Das Gespräch des Sozialministers Gerster und seines Staatssekretärs Jensen dauerte zwei Stunden und brachte - nichts. Der Bischof heute: Ich habe mit Doerfert danach gesprochen, ich habe ihm alles vorgelegt, was Gerster und Jensen gesagt hatten, und Doerfert antwortete: Nichts davon stimmt. Alles falscher Verdacht. -

So was nennt der Bischof "Untersuchung". Der Staatssekretär aber wurde von Doerfert mit einem gerichtlichen Verfahren wegen übler Nachrede bedroht.

Wie groß ist der Schaden, den Doerfert (nicht er allein) angerichtet hat, von dem der Bischof nichts gemerkt hat? Niemand weiß es genau, sowenig wie man genau weiß, wie viel öffentliche Zuschüsse in die ctt (usw.) geflossen sind, aber 100 Millionen Mark Schaden können es schon werden.

Übrigens: Vor wenigen Tagen hat Sozialminister Gerster Bischof Spital schriftlich gebeten, er möge doch - wenn man schon dabei ist, alles zu prüfen - auch die Verwendung der öffentlichen Mittel in die Prüfung einbeziehen. Der Bischof antwortete, ziemlich kurz angebunden und fast schnippisch: das sei nicht nötig, bei der ctt sei jetzt alles in Ordnung."

 

Nie war uns ein Bischof so teuer (II)

aus: imprimatur 7/2000, S. 159

Auch heute noch lässt Spital in der ctt abenteuerliche Spitzengehälter zahlen.

Seit fünfzehn Monaten beschäftigt sich die Staatsanwaltschaft (Abteilung Wirtschaftskriminalität) mit dem ehemaligen Caritasmanager Hans Joachim Doerfert, während er in Untersuchungshaft geduldig auf seinen Prozess wartet (seit dem 15.9.1999). Doerfert hat mehrere Haftprüfungstermine überstanden (Verdunkelungsgefahr, Fluchtgefahr); der Prozess verzögert sich, denn die Staatsanwälte werden immer noch mal fündig. Hinter dem Vorwurf der Untreue sammeln sich gegen Doerfert Bataillone von Bilanzfälschungen, Steuerhinterziehung, Erschleichen von Provisionen, Veruntreuung staatlicher Fördermittel, betrügerische Beraterhonorare, alles im Dienste der Caritas.

Bei der Schlussabrechnung der Doerfert-Schäden werden schätzungsweise 100 Millionen Mark fehlen, - Caritas-Geld, für das das Bistum Trier gradestehen muss. (Man hat aus Kirchensteuermitteln schon ca. 65 Millionen Mark Liquidationshilfen vorgeschossen, in der Hoffnung, sie wiederzubekommen,). -

Bischof Spital sieht und hört nichts

Aber es sind nicht die Millionen, die den Erdboden im Bistum Trier zittern lassen, viel schlimmer ist das Versagen des Bischofs. Doerfert ist ausschließlich sein Mann: Spital hat Doerfert nicht nur eingesetzt (1987), mächtig gemacht durch eine sagenhaft unprofessionelle "Satzung", und ihn niemals ernsthaft kontrolliert - sondern in Sachen Doerfert hat sich Spital nur von Doerfert beraten lassen, zwölf Jahre lang, er hat ihn wo er nur konnte in Schutz genommen und dadurch Doerferts betrügerisches System gedeckt.

Wie taub Spital für jede Warnung war, zeigte sich zum Beispiel am 9.2. 1998. An diesen Tag haben der rheinlandpfälzische Sozialminister Florian Gerster und sein Staatssekretär Klaus Jensen dienstlich Bischof Spital In Trier aufgesucht - ausschließlich zu dem Zweck, den Bischof vor Doerfert zu warnen. In einer offiziellen Mitteilung der Landesregierung Rheinland-Pfalz, Ministerium für Arbeit, Soziales und Gesundheit heißt es, der Minister und der Staatssekretär

"haben dem Bischof... dringend empfohlen, von seiner Aufsichtspflicht Gebrauch zu machen und den Hinweisen durch eigene Recherchen und Prüfungen nachzugehen. Wenn der Bischof dieser Empfehlung nachgekommen wäre, würde es die Affäre Doerfert heute in dieser Farm nicht geben "

Als die Regierungsmitglieder wieder in Mainz waren, hat Bischof Spital Doerfert alles weitergesagt, aber sonst nichts unternommen. Doerfert selbst beschwerte sich daraufhin bei Ministerpräsident Beck über Minister Gerster und Staatssekretär Jensen wegen übler Nachrede und bedrohte den Staatssekretär mit einer Verleumdungsklage.

Spitals Kontrollfunktion über Doerfert

Als die Staatsanwaltschaft Doerfert verhaftete, erklärte Spital sich zum Opfer Doerferts, als habe er bis fünf Minuten vorher von dem Täter Doerfert nichts wissen können.

Die Satzung der Caritas-Trägergesellschaft Trier bestimmte aber die Pflichten des Bischofs so (§12):

"(2) Jährlich muss der Verein dem Bischof von Trier einen Wirtschaftsplan vorlegen.

(3) Die Gründung, der Erwerb, die Erweiterung oder die Aufgabe von caritativen Einrichtungen und Betrieben bedürfen zu ihrer Rechtswirksamkeit der vorherigen schriftlichen Zustimmung des Bischofs von Trier.

(4) Dem Bischof von Trier sind alle Jahresabschlüsse mit Prüfberichten vorzulegen. Er hat das Recht, jederzeit Einsicht in die Unterlagen des Vereins zu nehmen, Auskünfte zu verlangen und die ordnungsgemäße Verwendung zweckgebunden er Mittel nachzuprüfen. Bei drohenden Vereinsverlusten ist der Bischof von Trier unverzüglich zu informieren".

Am 27.8.1999 erklärte Bischof Spital gegenüber der Presse:

"Ich fand mich in dem Glauben, für eine ausreichende Kontrolle sei gesorgt. Nie habe ich eine geschäftliche Einzelmaßnahme zustimmend oder ablehnend mit Herrn Doerfert besprochen, weil mir dazu einfach die Kenntnisse fehlten. Er hat mir in allgemeiner Form seine Erfolge und seine Pläne vorgetragen ".

In seiner "allgemeinen Form" wusste Spital nicht einmal, wie hoch Doerferts Bezüge sind und was darüber im Vertrag steht; er ließ öffentlich in der Pressekonferenz verlauten, man suche zur Zeit vergeblich nach dem Vertrag (Doerfert bekam zuletzt monatlich 104 000 Mark). Spital kannte angeblich nur die Namen des Dreiervorstands der ctt, und er nahm an, die drei kontrollierten sich gegenseitig (neben Doerfert: Bernhard Veit und. Dr. Heinrich Hennekeuser, Jahresbezüge je 350 000 Mark). Die drei von der Chefetage bezogen nahezu. 2 Millionen Mark pro Jahr, - Spital wusste es nicht?

Spital glaubt auch jetzt noch, dass dieses System stimme: Heutzutage müssen Kirche (!) und Caritas (1) Kapitalgesellschaften gründen, die Geldverdienen, um damit "Gutes zu tun", also durch eigene Kinos, teures Wohnen, Hotels, Tagungshäuser, usw. Spital am 27.8.1999:

"Die ctt-Leitung hat mir vorgeschlagen, eine zusätzliche neue Finanzierungsform zu erwägen... nämlich die Finanzierung durch, Anlagekapital, also durch Aktien... aus dem Team der ctt heraus sollte die Klinik-Rose AG gegründet und aufgebaut werden. Diese ist eine Aktiengesellschaft wie andere auch und sollte dazu dienen, Anlagekapital für Krankenhäuser zu aktivieren.. Das zunächst kleine Anfangskapital stellte die der Cl? gehörende "Ärztliche Abrechnungsstelle Trier" (ÄAT) sowie zu einem kleinen Teil auch Herr Doerfert zur Verfügung. Diese Zusammenhänge waren für Außenstehende wenig durchsichtig".

Doerferts Millionenprojekte sind Spitals Millionenprojekte

Wenig durchsichtig sind sie noch immer.

Denn auf diese Weise entstanden die Millionenprojekte, die viel Geld kosten und es vielleicht nie zurückbringen: Der Bischof hat auch das alles nicht gewusst? Und er hat es nicht kommen sehen? Aber er hat doch satzungsgemäß zustimmen müssen?

Immerhin erwarb der Bischof neues Eigentum; wir nehmen drei Beispiele: das Trierer Großkino Cinemaxx, das Parkhotel Weiskirchen im saarländischen Hochwald und das Wohnprojekt Betreutes Wohnen (ehemals Löwenbrauerei Trier) gehören jetzt ihm und der ctt:

• Dem Großkino Cinemaxx, von der Klinik-Rose AG (einer beinah 100 %igen Caritastochter) mitten in Trier, mit 1800 Plätzen und (wenn es gut läuft) 600 000 Besuchen Im Jahr, fehlten plötzlich 25 Millionen Mark zu den Baukosten, noch stand der Rohbau nicht. Das Bistum Trier zahlte; dem Bischof und auch dem Aufsichtsrat war vorher nichts aufgefallen. Das Kino wurde im Frühjahr 2000 eröffnet und kämpft seitdem um möglichst viele Zuschauer. Niemand weiß, wann der Bischof es zu welchem Preis verkaufen kann.

• Das Parkhotel GmbH und Co. KG ("Sport- und Tagungshotel" im Luxuszuschnitt) in Weiskirchen hat wohl 26 Millionen Mark gekostet und ist für den normalen Hotel- und Tagungsbetrieb viel zu teuer. Deshalb soll es nur zu 30 % ausgelastet sein und braucht geschätzte jährliche Caritas-Zuschüsse von 600 000 Mark. Es wird wohl nur mit schweren finanziellen Einbußen zu verkaufen sein; Übernahmeangebote lagen angeblich zwischen 16 und 17 Millionen Mark. Das ergäbe für die Caritas (und also für das Bistum) einen Verlust von zehn Millionen.

• Dann gibt es das Großprojekt "Betreutes Wohnen bei der ehemaligen Löwenbrauerei in Trier, in privilegierter Randlage am Petrisberg, dicht neben dem antiken Amphitheater: vier Wohnblocks mit 74 Wohnungen, Arztpraxen, Bistro, Biergarten; die ctt will hier nur 15 Millionen Mark investiert haben. Das Projekt wird Im Laufe dieses Jahres vielleicht bezugsfertig, und wir sind gespannt, mit welchem Millionenverlust sich die Caritas davon trennen kann.

Endgültig verloren sind mehr als 4 Millionen Mark (Spenden, Werbeverträge und Bürgschaften), die der Fußballverein Eintracht Trier 05 von der ctt bekam (der Verein konnte inzwischen im Insolvenzverfahren gesundschrumpfen, auf Kosten der Caritas: 4 Millionen hat sie gegeben, 53.000 Mark zahlt Eintracht Trier bei der Insolvenz zurück). Doerfert selbst muss jetzt 1,37 Millionen Mark zurückzahlen (ein erstes Gerichtsurteil),.- Geld, mit dem er dem Fußballverein einst aus dem Schuldenloch geholfen hatte. Bischof Spital ahnte von dem kostspieligen Fußballhobby Doerferts natürlich nichts? - obwohl Doerfert Vereinspräsident war und mit Spital auf der Vereinstribüne auf den VIF-Plätzen saß? Auch der 1. FC. Saarbrücken (600.000 Mark), der ASV Köllerbach (Ringerbundesliga); die CDU in Rheinland-Pfalz (Schatzmeister Im Kreisverband Trier:

Doerfert) bekam von der ctt fast 400.000 Mark. Wer merkte nichts? Bischof Spital. Am 20.6.2000 wurde der Leiter des "Forschungszentrums für Psychobiologie und Psychosomatlk" an der Uni Trier, Professor Dirk Helihammer, wegen Erschleichung öffentlicher Zuschüsse und Abrechnungsbetrugs zu einer Haftstrafe von einem Jahr auf Bewährung und zu 100.000 Mark Bewährungsauflage verurteilt: Hellhammer stand bei der ctt mit monatlich 23.000 Mark auf der Gehaltsliste - natürlich zusätzlich zu seinem staatlichen Professorengehalt.

Abenteuerliche Gehälter

Überhaupt, die Gehälter, von denen der Bischof "nichts wusste": Als Doerfert verhaftet wurde, setzte Spital (zuerst für zwei Monate) vorläufige Nachfolger in die ctt- Chefetage, u.a. Pfarrer Hans Laxabert, der für bescheidene 3000 Mark (Zusatzlohn zum Pfarrergehalt) schon lange zur Leitung der ctt gehörte. Dann (Anfang November 1999) endgültige Nachfolger; Spital überreichte zwei Hauptabteilungsleitern des Bischöflichen Generalvikariats Fünfjahresverträge der ctt und vervierfachte ihre Monatsbezüge. Diese bilden jetzt den geschäftsführenden ctt-Vorstand: Peter Schuh (46), bisher Leiter der Rechtsabteilung der Bistumsverwaltung (als Vorstandsvorsitzender) und Dirk Wumrnel (42), bisher Leiter der Finanzabteilung der Bistumsverwaltung; ein Dritter wurde durch Ausschreibung auf dem freien Markt damals noch gesucht. Von Schuh und Wummel wissen wir, dass Spital zwar ihre Gehälter vervierfacht hat - ohne sich mit irgendjemand zu beraten; aber wir wissen nicht, woher sie Ihre Managerqualifikation für das komplizierte Gesundheits- und Sozialwesen haben sollen; sie bekommen jetzt jedenfalls monatlich je 40.000 Mark. Und Spital kann nicht mehr so tun, als wüßte er von nichts, denn diesmal hat er ganz allein entschieden. Es mag auch sein, dass Super-Gehälter keine Schande sind, aber sie verraten dann auch, wes Geistes Kind wir sind und um was es uns gebt, bei der Caritas und in der Kirche.

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