Der Deutsche Orden - Finanzskandal

Chronik - Aktualisiert 7/2002

13.7. 2002 Sanierer traut Deutschem Orden die Wende zu

Sozialkonzern muss 68,5 Millionen Euro Schulden abzahlen / Vorwürfe an frühere Leitung

Von Iris Hilberth

MÜNCHEN, 12. Juli. Nach Abschluss der Sanierung bleibt dem Deutschen Orden (DO) ein Schuldenrest von rund 68,5 Millionen Euro. Laut Sanierer Dirk Pfeil reicht das Geschäft der verbliebenen 60 von einst 120 Einrichtungen des Sozialkonzerns, um das Darlehen zu bedienen. Der wirtschaftspolitische Sprecher der bayerischen SPD-Landtagsfraktion, Heinz Kaiser, hat daran erhebliche Zweifel.

Erstmals legten die Sanierer Zahlen auf den Tisch: 297 Millionen Mark betrug das Darlehen des Deutschen Ordens, ehe sich Pfeil 1999 an die Arbeit machte. Um die Liquidität zu erhalten, schossen die Banken noch einmal 42 Millionen Mark zu, davon die Landesanstalt für Aufbaufinanzierung (LfA) fünf Millionen, von kirchlicher Seite kamen 30 Millionen, der Hochmeister des Ordens in Wien sammelte bei seinen Provinzen fünf Millionen für die Einrichtungen der deutschen Brüder. Machte 364 Millionen Mark Gesamtdarlehen. Der Verkauf der Krankenhäuser brachte 95 Millionen Mark ein, von denen 70 den Banken zugestanden hätten, die aber auf die Forderungen verzichteten. Die Bistümer wandelten ihren Zuschuss in ein "nachrangiges Darlehen", wollen das Geld also vorerst nicht zurück haben. Auch die LfA erklärte sich bereit, fünf Millionen erneut als Darlehen zur Verfügung zu stellen.

Eine "gewisse Großzügigkeit, gepaart mit Dreistigkeit und Dummheit" habe, so Pfeil, zu der Schieflage geführt: "Das soziale Geschäft ist nicht so ertragreich, dass man sich solche Mätzchen wie den Kauf eines Gestüts leisten kann."

Jetzt verfügt der Deutsche Orden wieder selbst über seine Konten - unter Beobachtung eines Aufsichtsrats, der prüft, ob "jede Mark herumgedreht wird". Dessen Vorsitzender, der Rechtsanwalt Andreas Schlüter, betonte, dass nun "weniger Personal mehr Leistung bringen muss".

Der SPD-Landtagsabgeordnete Kaiser kritisierte, die DO-Angaben seien zu dürftig, als dass das Konzept greifen könnte: Weder die erwarteten Umsätze noch die Höhe der Zinszahlungen seien genannt worden. Auch zu Prozessrisiken habe Pfeil nur vage Angaben machen können.

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12.7.2002 Deutscher Orden muss 68,5 Millionen Euro zurückzahlen

München, 12.7.2002 (KNA) Der mit rund 186 Millionen Euro verschuldete Deutsche Orden (DO) muss in den kommenden 22 Jahren rund 68,5 Millionen Euro an Darlehen zurückzahlen. Das sieht das in München präsentierte Sanierungskonzept vor.=

Der mit der Sanierung beauftragte Frankfurter Unternehmensberater Dirk Pfeil hob den Einsatz der Münchner Erzdiözese hervor, die mit einer Bürgschaft von 23 Millionen Euro die Sanierung unterstützt habe. Das Kölner Erzbistum, auf dessen Gebiet ebenfalls DO-Einrichtungen liegen, habe keine Hilfe geleistet. Auch das Land Bayern habe keine Mark bezahlt.


10.7.2002 Ministerin nennt kaum Details zu Sanierungsplan

  ih MÜNCHEN, 10. Juli. Der Bericht der bayerischen Sozialministerin Christa Stewens (CSU) zum Sanierungskonzept des Deutschen Ordens vor dem Haushaltsausschuss des Landtags ist dürr ausgefallen. Lediglich zum neuen Kredit der Landesanstalt für Aufbaufinanzierung (LfA) machte die Ministerin konkrete Angaben: "Der Fünf-Millionen-Mark-Kredit aus dem Jahr 2000 wird Zug um Zug getilgt, dafür wird nach und nach ein 2,5-Millionen-Euro-Darlehen gewährt." Dieses sei durch eine Immobilie im Wert von zehn Millionen Euro abgesichert.

Die Opposition hatte die erneute öffentliche Finanzspritze für den überschuldeten Sozialkonzern kritisiert. SPD und Grüne halten den Deutschen Orden dauerhaft nicht für sanierungsfähig und plädieren für eine Übertragung der Einrichtungen an andere Träger. "Wir können nur überprüfen, ob unsere Fördermittel richtig eingesetzt werden, aber die Einrichtungen gehören dem Deutschen Orden, die können wir nicht veräußern", sagte Stewens.

Auch zeigten sich SPD und Grüne sehr enttäuscht darüber, dass die Ministerin keine Zahlen aus dem Sanierungskonzept nannte. Stewens verwies auf das geltende Banken- und Geschäftsgeheimnis: "Ich würde mich ja strafbar machen."

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9.7.2002 Brüderliche Hilfe für den Deutschen Orden weckt rot-grünen Unglauben

Bayerns Opposition zweifelt an der Sanierungsperspektive für maroden Sozialkonzern und wittert Befreiungsschlag Stoibers

Von Iris Hilberth (München)

Am morgigen Mittwoch muss Bayerns Sozialministerin Christa Stewens (CSU) vor dem Haushaltsausschuss des Landtags erneut zu dem in Millionenhöhe verschuldeten Deutschen Orden (DO) Stellung nehmen. In der Vorwoche hatte der Frankfurter Insolvenzberater Dirk Pfeil das fertige Sanierungskonzept vorgelegt. Die Landtags-SPD bezweifelt, dass der Plan tragfähig ist.

Der 800 Jahre alte Deutsche Orden, dem bundesweit 33 Brüder angehören, hatte sich bis zum Jahr 2000 einen Sozialkonzern mit rund 120 Einrichtungen und etwa 5000 Mitarbeitern aufgebaut. 1998 war der Deutsche Orden von Frankfurt am Main ins oberbayrische Weyarn übergesiedelt, weil er dort den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts bekam. Dadurch konnte er massiv Steuern sparen. Ende 2000 wurde dann die Finanzkrise des Ordens offenbar und ein Sanierungsausschuss eingesetzt, dem die sechs Hauptgläubiger-Banken und je ein Vertreter der bayerischen Staatsregierung und der Münchner Erzdiözese angehören.

Rund 50 Einrichtungen wurden verkauft, auch die einstigen DO-Kliniken in Dillingen und Buchloe können jetzt an kommunale Träger übergehen. "Mit dem Bankenpool konnte eine Einigung erzielt werden und ein Großteil der etwa 5000 Arbeitsplätze wurde gesichert", teilte Sanierer Pfeil mit. Die Hauptlast übernehmen die Erzdiözese München-Freising und einige außerbayerische Diözesen. Sie gewährten ein Darlehen von 18,4 Millionen Euro für Kliniken und Heime. Die Banken hätten einen "namhaften Betrag" erlassen und Umschuldungen vorgenommen, sagte Pfeil. 2,5 Millionen Euro hat die Förderbank der Landesanstalt für Aufbaufinanzierung (LfA) zugeschossen, ein Darlehen, das Ministerin Stewens einen "konstruktiven Beitrag zur Sicherung der Arbeitsplätze" nannte.

Das will die Opposition im Landtag genauer wissen. "Der Freistaat darf nicht erneut öffentliche Gelder in den maroden Sozialkonzern pumpen, ohne damit eine klare Sanierungsperspektive zu verbinden", warnte der Grüne Adi Spinkart. Und die haushaltspolitische Sprecherin der Partei, Emma Kellner, will wissen, "ob die LfA den Kredit von sich aus eingeräumt hat oder ob erneut der Finanzminister persönlich die Finanzhilfe angeordnet hat". Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Heinz Kaiser, fürchtet, dass der Plan womöglich "die verbleibenden Einrichtungen mit Zins und Tilgung übermäßig belastet" und daher eine Auflösung des Konzerns besser wäre.

Für Kaiser ist die Finanzspritze durch die LfA-Förderbank "der Versuch, den bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber zu rechtfertigen, der sich als Laienmitglied des DO für die Verleihung der Rechte einer Körperschaft des Öffentlichen Rechts eingesetzt hat". Auch die Grünen äußerten den Verdacht, die Staatskanzlei wolle mit dem Millionenkredit Luft für die heiße Wahlkampfphase gewinnen. Derzeit prüft ein Untersuchungsausschuss im Landtag, ob Verquickungen zwischen Staatsregierung und DO zur Finanzmisere geführt haben.

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4.6.2002: Bischöfe werden als Zeugen geladen

Der Untersuchungsausschuss zum Deutschen Orden im Bayerischen Landtag hat beschlossen, zwei katholische Bischöfe als Zeugen zu laden. =

München, 4.6.2002 (KNA) Der Untersuchungsausschuss zum Deutschen Orden (DO) im Bayerischen Landtag hat beschlossen, zwei katholische Bischöfe als Zeugen zu laden. Das Gremium stimmte am Dienstag bei Stimmenthaltung der CSU einem Antrag der SPD zu, den Münchner Kardinal Friedrich Wetter und den Limburger Bischof Franz Kamphaus im Ausschuss zu befragen. Ein Termin für die Einvernahme ist noch offen. Strittig zwischen Regierungspartei und Opposition ist aber, ob SPD und Grüne das Recht haben, den Zeitpunkt der Vorladung zu bestimmen. Der stellvertretende Ausschussvorsitzende Heinz Kaiser (SPD) glaubt, dass die Bischöfe zur Aufklärung über etwaige innerkirchliche Warnungen vor dem DO beitragen können.

© 2002 KNA Katholische Nachrichten-Agentur.


3.7.2002 Erzbistum München bürgt für 23 Millionen Euro

München, 3.7.2002 (KNA) Die Erzdiözese München und Freising übernimmt im Rahmen des Sanierungskonzepts für den Deutschen Orden (DO) eine Bürgschaft über 23 Millionen Euro übernommen.

6.3.2002Deutscher Orden auf Schadenersatz verklagt

Eine Frankfurter Fondsgesellschaft hat den Deutschen Orden (DO) auf 5,1 Millionen Euro Schadenersatz verklagt.=

München, 6.3.2002 (KNA) Eine Frankfurter Fondsgesellschaft hat den Deutschen Orden (DO) auf 5,1 Millionen Euro Schadenersatz verklagt. Zum Prozessauftakt vor dem Landgericht München II am Mittwoch begründete die Permira Beteiligungsberatung GmbH (früher Schroder Ventures Europe) ihre Forderung damit, eine Tochtergesellschaft des DO habe es unterlassen, den im Oktober 2000 vereinbarten Kaufpreis für Geschäftsanteile an der Kölner Clinic Service Online GmbH (CSO) zu bezahlen. Dabei handelte es sich um ein Internet- und Softwareunternehmen für Krankenhäuser und Mediziner, das sich inzwischen in einem Insolvenzverfahren befindet.

Der Rechtsstreit, zu dem keine der beiden Parteien auf Nachfrage Auskunft geben wollte, ist kompliziert. Nach Ansicht der Permira hat der DO für sein kommerzielles Unternehmen, die Deutsch-Ordens Beratungs- und Betriebsführungs-GmbH (DOBB), eine Patronatserklärung abgegeben. Damit müsse er für alle Verbindlichkeiten seiner Tochterfirma, die sich inzwischen ebenfalls in Insolvenz befindet, haften. Der DO bestreitet die Vorwürfe. Bereits vor Unterschrift des Kaufvertrages sei die Patronatserklärung widerrufen worden, behauptete der Anwalt des DO. Deshalb gebe es keinen Grund, für die Forderungen der Permira aufzukommen.

Kein Vergleich

Zum Prozessauftakt konnte die entsprechende Urkunde weder vom Kläger noch von der beklagten Seite vorgelegt werden. Nach Angaben des DO-Anwalts lag der Wert der CSO-Anteile außerdem erheblich unter dem Kaufpreis von 5,1 Millionen Euro. Der Insolvenzverwalter habe auf Anfrage von lediglich rund 125.000 Euro gesprochen. Ein vom DO vorgeschlagener Vergleich wurde im Vorfeld der Verhandlungen von der Permira als "nicht akzeptabel" abgelehnt. Auch nach der ersten Verhandlungsrunde konnten sich die beiden Unternehmen zunächst auf keine außergerichtliche Lösung einigen. Der Prozess wird am 17. Mai fortgesetzt. (AZ 5 O 4947/01)

26.2.2002 Vatikan verhängt erste Sanktionen

München, 26.2.2002 (KNA) Der Vatikan hat erste Sanktionen gegen ehemalige Führungskräfte des hoch verschuldeten Deutschen Ordens (DO) verhängt. Der im Zuge der Finanzaffäre im Dezember 2000 abgesetzte Ex-Prior Gottfried Keindl und der frühere Hochmeister Arnold Wieland dürfen für zehn Jahre keine Wahlämter mehr in ihrem Orden ausüben, wie aus ordensinternen Mitteilungen hervorgeht, die die bayerische SPD am Dienstag in München veröffentlichte. Wieland wurde außerdem der Gebrauch von Insignien untersagt, die ihn dem Rang nach bisher einem Bischof gleichstellten. Den Mitteilungen zufolge hat der Sekretär der Ordenskongregation, Erzbischof Piergiorgio Silvano Nesti, bereits am 26. Oktober 2001 erste Ergebnisse der päpstlichen Visitation in einem Brief an den Orden mitgeteilt und mit Anweisungen versehen.

  Laut Nesti hat der wirtschaftliche Zusammenbruch der Deutschordenswerke nicht nur dem Orden, sondern auch "der katholischen Kirche in Deutschland und darüber hinaus" schweren Schaden zugefügt. Keindl und Wieland hätten ihre Ämter "schwer vernachlässigt", weil sie alle satzungsmäßigen Mittel zur Verfügung gehabt hätten, den Schaden zu verhindern. Gleichzeitig ermutigte die Kongregation den neuen Hochmeister, zusammen mit allen Kräften "guten Willens" im Orden auch eine geistliche Erneuerung zu betreiben. Nach Ansicht der SPD hat auch der Freistaat Bayern "großen Schaden" genommen. Der von den Sozialdemokraten beantragte Untersuchungsausschuss im Bayerischen Landtag erweise sich durch die "deutliche Stellungnahme des Vatikan" als noch berechtigter und notwendiger.


23.1.2002 Bischofskonferenz will Deutschen Orden nicht sanieren

Der Ständige Rate der katholischen Deutschen Bischofskonferenz will sich nicht an der Sanierung des Deutschen Ordens (DO) beteiligen. Einzelne Bistümer prüfen jedoch die Übernahme einzelner Einrichtungen.

Bonn, Die katholische Deutsche Bischofskonferenz will sich nicht an der Sanierung des Deutschen Ordens (DO) beteiligen. Ob einzelne Bistümer jedoch mithelfen wollten, Einrichtungen in andere kirchliche oder eine sonstige Trägerschaft zu überführen, könnten die Diözesen von Fall zu Fall prüfen, teilte die Konferenz am Mittwoch in Bonn mit....

Im November 2000 musste der DO seine Zahlungsunfähigkeit erklären. Der mit etwa 200 Millionen Euro verschuldete Orden ist seither Sanierungsfall. Weil der DO in Bayern unter Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU), der Laienmitglied des DO ist, als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt ist, kann kein reguläres Insolvenzverfahren eingeleitet werden. Wer für die Schulden aufzukommen hat, ist deshalb strittig..... 

23.1.2002 (KNA)


14.1.2002 Kein vatikanisches Verfahren gegen Ex-Prior

Dem früheren Prior des in Millionenhöhe verschuldeten Deutschen Ordens, Gottfried Keindl, soll das Priesteramt nicht entzogen werden, betonte der päpstliche Visitator der Deutschen Provinz des Deutschen Ordens.

München, 14.1.2002 (KNA) Dem früheren Prior des in Millionenhöhe verschuldeten Deutschen Ordens (DO), Gottfried Keindl, soll das Priesteramt nicht entzogen werden. Entsprechend anders lautende Darstellungen seien "gegenstandslos", betonte der päpstliche Visitator der Deutschen Provinz des Deutschen Ordens (DO), der Kapuziner Michael Tupec, am Montag in München. Das Münchner Nachrichtenmagazin "Focus" hatte in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, dass der Papst den Ordensgeistlichen laisieren wolle. "Das ganze ist eine Ente", sagte Tupec. - Keindl wird mitverantwortlich für die Finanzmisere des DO gemacht, dessen Schulden sich laut Gutachten der Frankfurter Wirtschaftsprüfungsfirma KPMG im Frühjahr 2001 auf rund 181 Millionen Euro (354 Millionen Mark) beliefen.


21.12.2001 Frankfurter Rundschau : Wetter kritisiert den Vatikan

.....Insgesamt hat die katholische Kirche dem Deutschen Orden mehr als 36 Mio Mark zur Verfügung gestellt. Der größte Teil stammt aus dem Vermögen der bayrischen Diözesen....


 30.8.2001 Finanzamt entzieht Deutschem Orden die Gemeinnützigkeit, KNA

Das Finanzamt Rosenheim hat dem in Millionenhöhe verschuldeten Deutschen Orden (DO) rückwirkend die Gemeinnützigkeit aberkannt. Die Anwälte des DO halten die Entscheidung " für offensichtlich willkürlich".

München/Weyarn, 31.8.2001 (KNA) Das Finanzamt Rosenheim hat nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" dem in Millionenhöhe verschuldeten Deutschen Orden (DO) rückwirkend die Gemeinnützigkeit aberkannt. Dies habe der DO-Geschäftsführer Thomas Franke bestätigt, heißt es in der Freitags-Ausgabe des in München erscheinenden Blattes. Von Seiten des Ordens sei aber gegen die Verfügung bereits Einspruch eingelegt worden. "Wir glauben nicht, dass sie einer gerichtlichen Überprüfung standhält", zitiert die Süddeutsche Franke. Die Anwälte des DO hielten die Entscheidung des Finanzamtes "für offensichtlich willkürlich".

Auf welchen Zeitraum sich der Bescheid des Rosenheimer Finanzamtes beziehe, sei jedoch bislang unklar. Sollten nun für den DO Steuernachzahlungen in Millionenhöhe fällig werden, könnte dies die derzeit laufenden Sanierungspläne gefährden. Am Sitz des Deutschen Orden im oberbayerischen Weyarn war am Freitag jedoch keine Reaktion zu bekommen. Bereits im Juni hatte der Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Bayerischen Landtag, Sepp Dürr, davon gesprochen, dass das Rosenheimer Finanzamt die Gemeinnützigkeit des Sozialkonzerns prüfe. Der Politiker war damals davon überzeugt, dass bei einer Aberkennung auch der Körperschaftsstatus des DO hinfällig sein dürfte.


30.7.2001 Bürgschaft für den Deutschen Orden

Sechs bayerische Bistümer beteiligen sich an der Sanierung

München - Sechs bayerische Bistümer beteiligen sich an der Sanierung des Deutschen Ordens (DO). Der Sprecher des Erzbistums Bamberg, Hans-Günter Röhrig, bestätigte, dass der Vorsitzende der bayerischen Bischofskonferenz. der Münchner Kardinal Friedrich Wetter, seine Amtsbrüder aufgefordert habe, eine Bürgschaft über insgesamt 20 Millionen Mark einzugehen, damit das Sanierungskonzept umgesetzt werden könne. Nach Informationen der Katholischen Nachrichtenagentur macht nur das Bistum Augsburg bei der Bürgschaft nicht mit. Die Sicherheit sei von den Gläubigerbanken des DO verlangt worden, sagte Röhrig. "Wir hoffen sehr, dass von der Bürgschaft nicht Gebrauch gemacht wird." Alle außerbayerischen Bistümer lehnen bisher eine Beteiligung an der Sanierung des Deutschen Ordens strikt ab Erst am Dienstag hatte eine bayerische Ministerdelegation im Vatikan an die Mitverantwortung der Kirche erinnert und ein finanzielles Engagement bei der Entschuldung des Ordens angemahnt.

Durch die finanziellen Schwierigkeiten des Deutschen Ordens drohen möglicherweise auch der Zusatzversorgungskasse der bayerischen Gemeinden "erhebliche Vermögenseinbußen". Davor hat SPD-Wirtschaftssprecher Heinz Kaiser in einem am Wochenende in München veröffentlichten Brief an Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) gewarnt. Ein Verkauf der DO-Krankenhäuser an einen privaten Träger könnte nämlich weitere Ausgleichsleistungen begründen, schreibt Kaiser. Die Rentenlasten der versicherten Arbeitnehmer beliefen sich auf schätzungsweise rund 50 bis 150 Millionen Mark. Dies wären zusätzliche Verpflichtungen, die der DO zu seinen bestehenden 400 Millionen Mark Schulden übernehmen müsste. KNA, Süddeutsche Zeitung


25.7.2001 Deutscher Orden: Bayern macht im Vatikan Druck

München/Bonn (KNA) Die Bayerische Staatsregierung hat den Vatikan gebeten, sich an der Sanierung des hoch verschuldeten Deutschen Ordens (DO) zu beteiligen. Wie mehrere Regierungsstellen am Mittwoch in München bestätigten, haben der Chef der Bayerischen Staatskanzlei, Erwin Huber, Kultusministerin Monika Hohlmeier und Sozialministerin Christa Stewens (alle CSU) am Dienstag darüber mit Kardinal-Staatssekretär Angelo Sodano in Rom gesprochen. Hohlmeier teilte auf Anfrage mit, Sodano habe zugesagt, dass er an die Deutsche Bischofskonferenz mit der Bitte herantreten werde, sich an der Sanierung des DO finanziell zu beteiligen. Der Sprecher der Bischofskonferenz, Rudolf Hammerschmidt, bezeichnete Mitteilungen über den Inhalt des Gesprächs zwischen Sodano und den Ministern als "Spekulationen".

Laut Hammerschmidt hat sich die Haltung der Bischofskonferenz zum DO nicht verändert. Da der Orden ausschließlich unter der Aufsicht des Vatikan stehe, gebe es keine Veranlassung, deutsche Kirchensteuermittel für die Schuldentilgung bereitzustellen. Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" hatte der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) bereits in der vergangenen Woche bei einem Zusammentreffen mit Sodano und Kardinal Joseph Ratzinger seinem "Unmut" über das Versagen der vatikanischen Rechtsaufsicht Luft gemacht. Hohlmeier sagte auf Anfrage: "Wir hatten den Eindruck, dass sich der Vatikan der schwierigen Situation bewusst ist."

"Innerkirchliche Angelegenheit"

Die bayerischen Minister haben eigenen Angaben zufolge in Rom die Rechtslage dargelegt, wonach sich eine religiöse öffentliche Körperschaft in Bayern "strikt jeglicher staatlicher Kontrolle" entziehe. Die Krise des DO sei eine "innerkirchliche Angelegenheit". Gesprochen worden sei auch über die Notwendigkeit verbesserter Kontrollinstrumente seitens der Kirche, um ähnliche Entwicklungen künftig zu vermeiden. Hohlmeier berichtete, das 90-minütige Gespräch sei "sehr aufgeschlossenen und konstruktiv" geführt worden. Sie gehe davon aus, "dass der Vatikan seine Entscheidungen treffen wird", so die Kultusministerin. - Der DO-Sanierungsausschuss, in dem sechs Gläubigerbanken sowie die Erzdiözese München und Freising und das bayerische Sozialministerium vertreten sind, trifft sich am Donnerstag zu seiner nächsten Sitzung.
KNA, 25.7.2001


5.7.2001 Beim hoch verschuldeten Deutschen Orden ist nun das Chaos perfekt, FR 

Laut Gutachten könnten alle Verträge mit altem Prior ungültig sein / Kaiser (SPD) hält Stoiber für verantwortlich

Von Iris Hilbert (München)

Die Situation des mit 300 Millionen Mark hoch verschuldeten Deutschen Ordens und seinen 120 Einrichtungen, hauptsächlich Krankenhäuser und Suchthilfen, wird immer verzwickter. Wie aus einem Brief des Ordens an den Münchner Erzbischof Friedrich Wetter hervorgeht, könnten alle mit der ehemaligen Ordensleitung geschlossenen Verträge ungültig sein.

Heinz Kaiser, der wirtschaftliche Sprecher der SPD im bayerischen Landtag, der sich seit Monaten durch die äußerst verwickelten Geschäfte der Ordensbrüder wühlt, legte den brisanten Brief im Haushaltsausschuss vor. Darin schreibt der Leiter des katholischen Büros Bayern, Valentin Doering, an Erzbischof Kardinal Friedrich Wetter: "Ich möchte über eine Entwicklung berichten, die die Situation des Deutschen Ordens nochmals kritischer werden lässt und kirchliche Körperschaften des öffentlichen Rechts insgesamt betreffen kann."

Doering bezieht sich dabei auf ein Gutachten, das der Anwalt des Ordens, CSU-Politiker Peter Gauweiler, in Auftrag gegeben hatte. Dabei geht es um die Einhaltung der so genannten "Rom-Grenze". Diese besagt, dass für Geschäfte, die der Deutsche Orden tätigt, von einem bestimmten Betrag an - bei Verkäufen zehn Millionen, bei Kreditaufnahmen zwei Millionen Mark - die Genehmigung Roms ganz zwingend nötig ist.

Und genau die hätte der frühere Prior nicht eingeholt. Die Folgen, so heißt es in dem Brief nach Angaben Heinz Kaisers weiter: "Der Prior ist rechtlich nicht handlungsfähig und jede seiner diesbezüglichen Akte könnte ein Strafbestand werden." Möglicherweise könnte der Orden auf Grund dieser juristisch vertrackten Situation sogar Rückzahlungsforderungen an seine Vertragspartner stellen und wäre damit pikanterweise gleichzeitig Schuldner und Gläubiger.

Soviel steht für Kaiser fest: Beim Deutschen Orden, der im Dezember vergangenen Jahres seine Zahlungsunfähigkeit eingeräumt hat, herrscht das totale Chaos. Und Schuld daran trägt seiner Meinung nach die bayerische Staatsregierung. Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) nämlich hätte im Mai 1998 die Verleihung der Rechte einer Körperschaft des öffentlichen Rechts an den Deutschen Orden betrieben und somit die Grundlage für dessen "größenwahnsinnige Expansionspolitik" gelegt, sagte Kaiser. Hinzu kommt, dass gegen eine Körperschaft öffentlichen Rechts kein Insolvenzverfahren eröffnet werden kann, was nun die Sanierung des bankrotten Ordens enorm erschwert.

In einem Brief an Kultusminister Hans Zehetmair (CSU) hatte Stoiber, Laienmitglied des Ordens, bekräftigt: "Die finanzielle Situation des Deutschen Ordens ist überaus günstig." War sie aber nicht. Doch die Ministerialbeamten hatten das Wort Stoibers nicht angezweifelt. Bilanzen aus früheren Jahren belegten dies schließlich. Und die Bilanz aus 1997, die Kaiser zufolge die finanzielle Überschuldung des Unternehmens bestätigte, lag erst kurze Zeit nach der Verleihung der Körperschaftsrechte vor.

Hinzu kam, dass Ministerpräsident Stoiber sich "sehr beeindruckt von der starken Expansion der Aktivitäten des Ordens" gezeigt hatte. Welcher Beamte würde da noch intensive Fragen stellen? Nun stellte sich aber zwei Jahre später heraus, dass Nachforschungen doch angebracht gewesen wären. Darauf angesprochen meint der Ministerialdirektor des Kultusministeriums, Josef Erhard, nur: "Man kann hinterher immer gut prophezeien, wenn man das Ergebnis kennt." Man hätte damals alle Unterlagen geprüft, die zu diesem Zeitpunkt vorgelegen hätten.

Die Opposition meint hingegen, dass, wenn man den Angaben des Deutschen Ordens nicht allzu leichtgläubig vertraut hätte, hätten die Beamten vielleicht auch bemerkt, dass der Vereinsstatus bis heute nicht aufgegeben wurde. Mit der Verleihung der neuen Rechte hätte dies aber geschehen müssen. Nur wäre dann auch ein Gebäudekomplex in Frankfurt am Main, von wo aus der Orden 1998 ins bayerische Weyarn übersiedelte, an die katholischen Gemeinden in Frankfurt gefallen.

Die Staatsregierung jedenfalls sieht sich für dieses Chaos nicht verantwortlich. Dem Freistaat gehe es bei der Beteiligung im Sanierungsausschuss nur um die Rettung der Einrichtungen, betonte Sozialministerin Christa Stewens (CSU). "Da der Deutsche Orden eine kirchliche Körperschaft des öffentlichen Rechts ist, ist nach meiner Auffassung vorrangig auch die Katholische Kirche in der Verantwortung." Aberkannt werden könnten dem Deutschen Orden die Rechte als Körperschaft derzeit nicht, sagte Ministerialdirektor Erhard. Das hatte die Opposition beantragt. Es werde derzeit noch an einer Gesetzesänderung gearbeitet, die die Verleihung und Aberkennung von Körperschaftsrechten an Glaubensgemeinschaften regeln soll.

Am heutigen Donnerstag will in Frankfurt am Main die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG dem Sanierungsausschuss ein Konzept vorlegen.


26.4.2001 Deutscher Orden kann zum Präzedenzfall werden

Landtagsopposition fordert Aberkennung des Körperschaftsstatus 


Von KNA-Redakteurin Barbara Just

München (KNA)  

..... Das eigentliche Problem aber ist der von der Bayerischen Staatsregierung 1998 verliehene Körperschaftsstatus des öffentlichen Rechts an den Deutschen Orden. Denn die Brüder sind dadurch nicht verpflichtet, genaue Zahlen auf den Tisch legen zu müssen. Gemutmaßt wird von Schulden in mehrstelliger Millionenhöhe. Ein Entzug der Körperschaftsrechte, wie ihn Bündnis 90/Die Grünen und die SPD im Landtag fordern, wäre jedoch bundesweit eine Premiere.

Dabei räumt die Staatregierung ein, die derzeitige rechtliche Situation stelle sich auch für sie "durchaus unbefriedigend" dar. In einem am Abend des 20. Aprils auf Antrag der Oppositionsparteien dem Landtag vorgelegten Bericht des Kultus- und Sozialministeriums wird darauf verwiesen, dass derzeit eine interministerielle Arbeitsgruppe eingesetzt sei, "um Lösungsmöglichkeiten für eine Weiterentwicklung der rechtlichen Grundlagen zu erarbeiten". So weit überschaubar, lägen keine Erfahrungen aus der Praxis und einschlägige gerichtliche Entscheidungen vor. In Bayern haben dem Bericht zufolge mehr als 150 Ordensgemeinschaften den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts. Seit In-Kraft-Treten der derzeit gültigen Regelungen, die auf die Weimarer Reichsverfassung von 1919 und das Bayerische Konkordat von 1924 zurückgehen, sei jedoch eine Frage der Aberkennung nie aktuell geworden. Dies gelte auch für alle Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften deutschlandweit.

Zweifel an Sanierungsfähigkeit

Nur wenn dem DO die Körperschaftsrechte entzogen werden, ist es nach den Worten des Fraktionsvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen, Sepp Dürr, möglich, ein Insolvenzverfahren einzuleiten. Ein amtlich eingesetzter Konkursverwalter garantiere letztlich, dass Mitarbeiter und Patienten wieder Sicherheit bekämen. Dürr warf zudem der Staatsregierung vor, derzeit keinen Einblick mehr zu haben, ob der DO überhaupt noch sanierungsfähig sei. Ziel- und Hilflosigkeit sieht auch der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD, Heinz Kaiser, gegeben. Mit Hinweisen auf das Bank- und Steuergeheimnis sowie auf laufende Ermittlungen blieben alle wesentlichen finanziellen, steuerlichen und strafrechtlichen Fragen unbeantwortet. Ein Konzept sei "nicht einmal in Ansätzen erkennbar". Damit liege die Zukunft der mehr als 100 Einrichtungen des Ordens weiter im Dunkeln. Die rund 5.000 Beschäftigten, davon 1.700 in Bayern, müssten immer noch um ihren Arbeitsplatz bangen.

Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU), der selbst der Gemeinschaft der Familiaren des Deutschen Ordens angehört, hat laut Dürr eine besondere Verantwortung dafür zu tragen, dass der DO nicht machen könne, was er wolle. Stoiber habe sich eigenmächtig in einer Art, "wie sich Majestäten äußern", und gegen jede gängige Praxis in das Anerkennungsverfahren durch einen Brief an den damaligen Kultusminister Hans Zehetmair (CSU) eingeschaltet. Obwohl die Richtzahl bei den Personen, die üblicherweise um die 200 liegen müsse, mit 27 Priestern und Brüdern nicht gegeben gewesen sei, habe er sich für die Verleihung des Status eingesetzt. Die beiden Ministerien verweisen dagegen auch auf eine große Zahl von "Oblaten", Klerikern und Laien, die sich dem Orden auf Zeit ohne Ablegung der Gelübde zur Verfügung stellten, sowie auf die insgesamt 800-jährige Tradition der Brüder.

Überzeugungsarbeit leisten

In dem vorgelegten Bericht räumt der Freistaat laut Dürr allerdings auch erstmals ein mögliches finanzielles Risiko für sich selbst ein. Noch gebe es aber über die Höhe des Betrags keine Angaben. Bislang habe nur die Bayerische Landesanstalt für Aufbaufinanzierung (LfA) auf Empfehlung der Staatsregierung Geld in den DO investiert. Genaue Zahlen unterlägen jedoch dem Bankengeheimnis. Doch irgendwann müsse der Freistaat selbst die Lücken schließen, da Stoiber mit Sicherheit die betroffenen Krankenhäuser nicht im Regen stehen lassen werde. Allerdings sind der Staatsregierung auf Grund der rechtlichen Unabhängigkeit des Ordens die Hände gebunden. Sie könne die Sanierung "nur beratend" begleiten, auf zu Tage tretende Missstände hinweisen und durch Überzeugungsarbeit darauf hinwirken, dass alle erforderlichen Sanierungsschritte "zeitnah und konsequent" durchgeführt werden, heißt es. Ein Verkauf oder eine Übernahme von Einrichtungen des DO an andere Träger obliege ausschließlich dessen Entscheidungsbefugnis.

Süddeutsche Zeitung, 26.4.2001


Der Deutsche Orden - Geschichte - Geschäftspraktiken - 

Er ging 1198 aus einer Bruderschaft zur Pflege und Betreuung von kranken und verletzten Kreuzfahrern im Heiligen Land hervor. In dem Jahr wandelte Papst Innozenz III. Die Gemeinschaft in einen Ritterorden um, der direkt dem Heiligen Stuhl unterstellt war.

Das Ordensgewand zeigt ein schwarzes Kreuz auf weißem Grund. 1230 entstand in Preußen ein eigener Ordensstaat, der im 16. Jahrhundert - wie viele andere Ordensprovinzen - aufgelöst wurde. Napoleon verbot im Zuge der Säkularisation 1806 die Gemeinschaft in den Rheinbundstaaten; der österreichischen Kaiser Franz I. belebte den Orden 1840 wieder. 1929 wurde der über Jahrhunderte dominierende Ritterbrüder-Zweig aufgelöst und von Papst Pius XI. in einen rein geistlichen Orden der "Brüder des deutschen Hauses Sankt Mariens in Jerusalem" umgewandelt. 1945 wurde die Deutsche Ordensprovinz wiederbegründet.

1990 entstand das Deutsch-Ordens-Hospitalwerk. Zum diesem Komplex gehören z.Z. mehr als 120 sozial-karitative Einrichtungen wie Krankenhäuser, Altenhilfe- und Behinderteneinrichtungen mit rund 5.500 Mitarbeitern trägt. Die Zahl seiner Mitglieder gibt der Orden für dieses Jahr mit 1.090 an, davon 90 Priester und Laienbrüder, 35 Oblaten, 240 Schwestern und rund 720 so genannte Familiare. KNA , 17.2.2001

Blitzlichter zu den Geschäftspraktiken des DO

"Der DO hatte mit 250 000 Mark Startkapital begonnen, die Anfang der 90er Jahre der Trierer Caritas-Manager Hans-Joachim Doerfert dem umtriebigen Ordensmann und Ex-Polizeiseelsorger Gottfried Keindl lieh – jener Doerfert, der sich vor dem Koblenzer Landgericht wegen Untreue in Millionenhöhe verantworten muss. Keindl machte den überalterten Deutschen Orden zu einer professionellen Trägergesellschaft, unterstützt vom Ex-Manager Werner Conrad. 1998 zogen die Nachfahren der Ordensritter von Frankfurt am Main ins bayerische Weyarn. In Bayern hatte Keindl einen wichtigen Förderer: Ministerpräsident Edmund Stoiber. Er ist "Familiar" des Ordens, gehört also zum exklusiven Unterstützerkreis, dessen Mitglieder bei feierlichen Anlässen einen schwarzen Samtmantel mit weißem Kreuz tragen dürfen. Stoiber sorgte dafür, dass der Freistaat dem Orden schnell den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts verlieh – nun war die Gemeinschaft von Körperschafts- und Gewerbesteuer befreit, Bankkredite flossen einfacher. So gefördert, entstand ein Sozial-Imperium, das vor allem in Bayern kaufte, was sich kaufen ließ: Krankenhäuser, die alt gewordene Nonnen nicht mehr führen konnten, Altenheime, die als unrentabel galten, Drogeneinrichtungen wie Daytop. Alles, was die geschäftstüchtigen Ordensmänner anpackten, schien zu Gold zu werden – ausgewiesene Gewinne vervielfältigten sich, von 1993 bis 1999 stieg der Umsatz von unter 50 Millionen auf fast 500 Millionen. Die Konkurrenz beobachtete dies mit einer Mischung aus Furcht, Neid und Bewunderung. Der Deutsche Orden hat sich übernommen, ist zu schnell und unkontrolliert gewachsen, was Kritiker auch schon mal "Größenwahn" nennen. Zum ersten mal in der bundesdeutschen Geschichte ist eine Körperschaft des Öffentlichen Rechts pleite – ohne dass sie Konkurs anmelden könnte, eine rechtlich komplizierte Situation". (Monika Maier-Albang und Matthias Drobinski, SZ vom 01.12.2000)

Die Franziskanerinnen aus Dillingen/Buchloe, die drei Ihrer Einrichtungen dem DO anvertraut hatten, werfen diesem "Gewinn-Erpressung" und unzulässige "Querfinanzierung" vor. Beim Geschäftsgebaren des Deutschen Ordens stehe nicht, wie früher versprochen, der Mensch im Mittelpunkt, sondern "Macht und Geld". ...Nach Darstellung der Ordenfrauen wurden die Gewinne der wirtschaftlich gesunden Einrichtungen "durch Querfinanzierung unwirtschaftlicher Vorhaben und Maßnahmen regelmäßig verbraucht" und zur Tilgung des "enormen Schuldenbergs" herangezogen. 28.1.2001 (KNA)

Maxime: Ganz bewusst Gewinn erzielen  

In der Münchener Kirchenzeitung vom 30.1.2000 sprach Jörg Harnmann mit Pater Gottfried Keindl, dem Prior des Deutschen Ordens, als die Krise noch nicht offenbar war: .....

MK: Besorgte Stimmen sagen, die sozialen Werke des Deutschen Ordens würden so auf geblasen, dass eines Tages alles wie ein Kartenhaus zusammenstürzen könnte. . .

KEINDL: Das ist von der Sache her dummes Zeug. Wir haben momentan 130 sozial-caritative Einrichtungen. Jede Einzelne davon ist ein in sich geschlossener Kreislauf. Ich habe dadurch kein massiertes Gesamtrisiko, sondern 130 Einzelrisiken. Bei uns gibt es zurzeit vielleicht drei, vier oder fünf Häuser, die auf Grund von Anlaufverlusten, Fehlinvestitionen oder auch Managementfehlern in einem kritischen Bereich sind. Aber solche Häuser werden mit Krisenmanagement sofort in das Zentrum unserer Überlegungen gestellt und in die schwarzen Zahlen zurück geführt. Münchener Kirchenzeitung vom 30.1.2000

Maxime: "Töchter" senken Kosten

... Zentral nach außen verlagerte der deutsche Orden (DO) Wartungs- und Beschaffungsaufgaben, um die Kosten in seinen bundesweit 85 Gesundheitseinrichtungen zu senken. Für diesen Zweck wurden zusammen mit dem Luxemburger Großunternehmen Thiel Logistik AG zwei Tochterfirmen gegründet, an denen der Orden 49% hält.

Ordensprecher Michael Graf sagte, die "neue Sparwelle" in Gesundheitswesen zwinge Kliniken dazu, ihre kosten weiter zu senken.... Graf trat Befürchtungen entgegen, das Auslagern der Dienste werde zu Entlassungen führen. Die bisherigen Service-Mitarbeiter des Ordens würden von den beiden neuen Firmen übernommen und hätten ein Jahr Gehaltsgarantie in bisheriger Höhe. Möglicherweise müssten sie aber berufliche Flexibilität zeigen und bereit sein, für ihren künftigen Arbeitgeber zeitweise auch an anderen Einsatzorten zu arbeiten, um volle Auslastung zu erreichen. Kirche und Leben 20.8.2000

Der Crash: Deutscher Orden kann sein Personal nicht mehr bezahlen

Ende November ging der DO an die Öffentlichkeit: Weder die Gehälter noch das Weihnachtsgeld für die Mitarbeiter in den rund 120 Einrichtungen könnten ausbezahlt werden, so bestätigte die DO-Zentrale am Donnerstag im oberbayerischen Weyarn. Der Deutsche Orden (DO) war zahlungsunfähig..

Ordenssprecher Michael Graf wollte über die genaue Höhe der Verbindlichkeiten keine Angaben machen. Dazu werde sich die Geschäftsleitung in der kommenden Woche äußern. (KNA) 30.11.2000

"In das Finanzdebakel, für das Prior Pater Gottfried Keindl verantwortlich gemacht wird, sind nach WELT-Informationen rund 50 Banken involviert. Sie sollen Keindl zum Teil ohne ausreichende Sicherheiten Kredite gewährt haben. Der genaue Schuldenstand ist noch nicht ermittelt. Es ist von einer Summe zwischen 280 Millionen und 300 Millionen Mark die Rede.

.... Das Imperium, vom Freistaat Bayern mit dem Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts ausgestattet, war ganz auf die Person Keindl zugeschnitten. Eine wirkliche Kontrollinstanz gab es nicht - eine Parallele zur Trierer Caritas-Affäre um den in Koblenz angeklagten Hans-Joachim Doerfert. (Gernot Facius, Die Welt 10. 12.2000)
In den ersten Wochen danach wurden von verschiedenen Stellen klargestellt, dass keine Hilfe zu erwarten sei: Der Freistaat Bayern: "Keine Landesbürgschaften" KNA 3.11.2000. Erzbistum München: "Wir springen nicht ein". KNA 30.11.2000

Vertreter und Vertreterinnen von Bistümern, des Deutschen Caritasverbandes und der Frauen- und Männerorden erklärten am 07. Dezember, "dass sie für finanzielle Fehler des Ordens nicht haften".

"Bei den Generalvikaren herrschte die Einschätzung vor, dass "längst noch nicht alle Angaben über Vermögenswerte und Verbindlichkeiten auf dem Tisch liegen". Aufschluss erhofft man sich von Ermittlungen, die von der Staatsanwaltschaft München II auf Grund einer Anzeige gegen die Ordensleitung aufgenommen wurden. Seit Tagen wird auch darüber spekuliert, ob möglicherweise "Geld abgezogen" wurde oder in "dunkle Kanäle" geflossen ist. Der Deutsche Orden, innerkirchlich eine Einrichtung päpstlichen Rechts, steht im Verdacht, als Geldbeschaffer für den Vatikan zu fungieren. Zwei Mal waren aus der Deutschen Bischofskonferenz heraus "mahnende Hinweise" auf das Geschäftsverhalten des Ordens nach Rom gegeben worden - eine Reaktion blieb aus. Gernot Facius, Die Welt 10. 12. 2000

Am 9.12 ebnete allerdings die Deutsche Bischofskonferenz den Weg für eine erste Sanierung des Deutschen Ordens (DO). Die Bischöfe erklärten sich bereit, "einmalig" Mittel bereitzustellen, um den am schlimmsten vom Geldmangel betroffenen DO-Einrichtungen unter die Arme zu greifen. Damit kann der Orden auch die fälligen Novembergehälter zahlen....

Um ein Haar wären die Bemühungen gescheitert, nicht zuletzt, weil die Schulden des DO höher als angenommen sein sollen. Die Rede ist von 300 Millionen Mark....  Von Dietrich Mittler Süddeutsche 9-12-2000

Der Münchner Kardinal Friedrich Wetter stellte am 20. Dezember klar, dass die von einigen deutschen Bistümern aufgebrachten zehn Millionen Mark eine "einmalige Nothilfe" aus Gründen der Menschlichkeit gewesen seien.

Zu der Zahlung hat nach den Worten Wetters für die katholische Kirche in Deutschland "keine rechtliche Verpflichtung" bestanden, weil die Gemeinschaft sich als "Orden päpstlichen Rechts" und Körperschaft des öffentlichen Rechts der Mitverantwortung und Kontrollmöglichkeit der Bischöfe entziehe. 20.12.2000 (KNA)

Der Gesamtorden hat sich, wie der neue Prior Norbert Thüx am 4.1.2001 mitteilte mit fünf Millionen Mark an der Sanierung beteiligt und damit einen für die anderen Geldgeber zumindest optisch wichtigen Solidaritätsbeitrag erbracht. KNA 4.1.2001

Kritik an Stoiber

Die Münchner Staatsanwaltschaft hat am 6. Dezember den Eingang einer Strafanzeige gegen Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) wegen des Verdachts der "Beihilfe zur Konkursverschleppung" im Zusammenhang mit der Zahlungsunfähigkeit der Deutsch-Ordenswerke bestätigt. Stoiber habe als Laienmitglied des Deutschen Ordens 1998 dessen Umsiedlung von Hessen nach Bayern und dessen Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts (KdöR) aktiv gefördert. Daraufhin seien die Banken zu weiteren Millionen-Krediten an den Orden bereit gewesen, weil eine religiöse KdöR nachhöchstrichterlicher Rechtsprechung nicht konkursfähig sei.... KNA 6.12.

Die Grünen im Bayerischen Landtag kritisierten nachträglich die Zuerkennung des Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts, der den Deutschen Orden nicht nur steuerlich privilegiert habe, sondern nun auch verhindere, dass ein offizielles Konkursverfahren eingeleitet werden müsse. Die Staatsregierung habe offenbar nicht ausreichend überprüft, ob die Kriterien für die Gewährung dieser Privilegien, zum Beispiel die dauerhafte Wirtschaftlichkeit, auch zutrafen. Die zuständigen Ministerien hätten sich "kräftig über den Tisch ziehen lassen". KNA 4.12.

Die Süddeutsche Zeitung machte darüber hinaus auf Ungereimtheiten und Tricks beim Erwerb des begehrten Status der Körperschaft des öffentlichen Rechts aufmerksam: "... Beim Verfahren zur Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts war der Umgang mit der Wahrheit lax. Das Kultusministerium erkannte Orden mit mehr als 200 Mitgliedern als Körperschaft an, der Deutsche Orden brachte es auf 27 Priester und Brüder in Deutschland. Deshalb führte der Orden 300 "Mitglieder im weiteren Sinne" an – Anwärter für die "Oblation". Oblaten sind Kleriker und Laien, die dem Orden zur Verfügung stehen, ohne ein Gelübde abzulegen. Was als Beleg für die gesetzlich geforderte "Gewähr der Dauer" dienen sollte, erwies sich als Einrichtung auf Zeit: Mittlerweile hat der Orden das Weyarner Oblaten-Modell abgeschafft, ohne die Staatsregierung zu informieren. "Das war nicht für die Öffentlichkeit bestimmt", sagt Ordens-Sprecher Michael Graf. ..... SZ vom 15.12.2000 Matthias Drobinski/Dietrich Mittler

Seit dem 9.12.200 prüft die Staatsanwaltschaft des Landgerichts München I eine Strafanzeige gegen die Führungsspitze der Deutschen Brüderprovinz.

Der Leitende Oberstaatsanwalt Robert Vollmann sagte: "Wir werden den Anzeigeerstatter zur weiteren Präzisierung seiner Angaben anhören." KNA

Wohnungen des Deutschen Ordens verrotten in Betlehem

Hamburg (KNA) Der Deutsche Orden ist nach einem Bericht des "Stern" in undurchsichtige Immobiliengeschäfte im Nahen Osten verstrickt. Wie das Hamburger Magazin am Mittwoch vorab meldete, verrotten bei einem Bauprojekt in Betlehem seit neun Monaten 52 Wohnungen als Rohbau. Niemand wisse, wem sie gehörten. Die im Dezember abgelöste Ordensleitung mit Prior Gottfried Keindl und Geschäftsführer Werner Conrad habe 1999 eine erste Rate für das Projekt bezahlt. Das Geschäft sei über den Schweizer "Verein für das Jubiläumsjahr 2000 im Heiligen Land" abgewickelt worden. Weil den Patres das Geld ausgegangen sei, habe der Deutsche Orden angeblich weitere Raten nicht gezahlt.

Dem "Stern" liege jedoch eine Urkunde vom August 2000 vor, in der der Vorbesitzer bestätige, den Kaufpreis "vollständig in bar" erhalten zu haben, und die "unwiderrufliche Vollmacht" erteile, den Orden ins Grundbuch einzutragen. Dies ist nach Angaben des Magazins bis heute nicht geschehen. Stattdessen sei im Februar eine "Stiftung des Deutschen Ordens", vertreten durch ihren Vorstand Immanuel Jacobs, als Eigentümerin aufgetreten und habe um Geldgeber geworben. Doch die "Investitionsruine" gehöre weder der Stiftung noch sei Jacobs deren Vorstand. Seine tatsächliche Funktion beim Deutschen Orden sei "Koordinator für Palästina und persönlicher Berater des Priors" beim Deutschen Orden gewesen. Mittlerweile sei Jacobs entlassen. Nun wolle die neue Führung des Deutschen Ordens das Engagement in Betlehem unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten prüfen. -  KNA 28.3.2001