Der Kirchenaustritt: Fragen zur konkreten Praxis

 

1. Ab welchem Lebensjahr kann der Austritt erklärt werden?

Der Austritt kann ab dem Erreichen der Religionsmündigkeit erklärt werden, also ab dem 14. Lebensjahr. Wenn Familien als ganze austreten, muss der Austritt von beiden Elternteilen gemeinsam erklärt werden. Da Kinder ab dem zwölften Lebensjahr nicht gegen ihren Willen in einem anderen Bekenntnis als bisher erzogen werden dürfen, müssen Kinder ab zwölf dem Austritt zustimmen.

2. Wo muss der Austritt erklärt werden und welche Gebühren werden verlangt?

Man kann den Kirchenaustritt nicht seiner Kirche, etwa dem Pfarrer oder Bischof gegenüber erklären. Einzige Ausnahme ist die Hansestadt Bremen. Hier kann der Austritt auch bei der Kirche oder einer von den Kirchen zu bestimmenden Kirchenstelle direkt beantragt werden. Die Erklärung wird dort beglaubigt und muss (per Einschreiben) an die zuständige Kirchenstelle gesandt werden. - Er kann aber auch beim Standesamt erklärt werden.

In tabellarischer Übersicht:

Bundesland

Amtsgericht

Standesamt

Baden-Würtemberg

 

15-30 €

Bayern

 

31 €

Berlin

0 €

 

Brandenburg

0 €

 

Bremen

 

 auch beim Pfarrer; 
5 €
beim St.-Amt

Hamburg

 

20 €

Hessen

20 €

 

Mecklenburg-Vorp.

 

10 €

Niedersachsen

 

20,40 €

NRW

30

 

Rheinland-Pfalz*

24,50

         *

Saarland

30,70 €

 

Sachsen

 

20,45 €

Sachsen-Anhalt

 

20,45 €

Schleswig-Holstein

 

10 €

Thüringen

0 €

 

  *Im ehemaligen Regierungsbezirk Pfalz ist das Standesamt zuständig.

Diese Tabelle wurde übernommen aus: www.kirchenaustritt.de

Die Austrittserklärung kann auch schriftlich erfolgen. Dann allerdings muss sie durch einen Notar beglaubigt werden und der entsprechenden Behörde zugesandt werden. - SozialhilfeempfängerInnen wird in einzelnen Fällen Ermäßigung um 50% eingeräumt. 

3. Welche Dokumente müssen beim Austritt vorgelegt werden?

Beim Austritt muss ein Ausweis, in der Regel der Personalausweis vorgelegt werden. Bei Verheirateten wird außerdem gelegentlich die Vorlage der Heiratsurkunde, des Familienstammbuches oder zumindest Datum und Standesamt der Trauung verlangt.

4. Wie geht der Austritt vor sich?

Die betreffende Behörde hält in der Regel einen Vordruck bereit, der je nach Bundesland etwa folgenden Wortlaut hat: "Hiermit erkläre ich den Austritt aus der (Name der Religionsgemeinschaft)."

Ort, Datum, Unterschrift

5. Muss bzw. darf der Austritt begründet werden?

Die Austrittserklärung braucht nicht begründet zu werden, weder mündlich noch schriftlich. Im Gegenteil, Zusätze erklärender bzw. einschränkender Art machen in der Regel die Austrittserklärung ungültig.

6. Werden für die Austrittserklärung Gebühren verlangt?

Entgegen der sonstigen Praxis, dass staatliche Aktivitäten für die Kirchen von den Kirchen selbst vergütet werden (Kirchensteuereinzug), werden bei der Registrierung des Austritts die Kosten bei der Mehrzahl der Länder beim Austretenden erhoben. In manchen Bundesländern werden beim Kirchenaustritt keine Gebühren erhoben. Im übrigen ist die Höhe der Kosten unterschiedlich, sie können bis zu 30,70 Euro betragen. 

7. Was geschieht nach der Austritterklärung?

Der Austritt wird mit der Leistung der Unterschrift rechtskräftig. Die Behörde stellt über den erfolgten Austritt eine Bescheinigung aus. Es ist ratsam, diese gut aufzuheben.

In der Regel wird die Religionsgemeinschaft, der man bis dahin angehörte, vom jeweiligen Amt innerhalb einer Woche informiert. Sie registriert den Kirchenaustritt in ihren Kirchenbüchern.

Die Änderung des Konfessionseintrags auf der Lohnsteuerkarte erfolgt gegen Vorlage der Austrittserklärung durch die Behörde, die die Lohnsteuerkarte ausgestellt hat.

Die Pflicht, Kirchensteuern zu zahlen erlischt nicht sofort. Sie endet erst nach Ablauf des Monats, der dem Austrittsmonat folgt. (Erste Ausnahme: NRW - hier endet die Kirchensteuerpflicht seit Jan 2001 mit dem Monat, in dem der Austritt erklärt wurde)

Je nach Religionsgemeinschaft hat der Austritt eine Reihe von binnenkirchlichen Folgen: Verlust der Rechte, an bestimmten kirchlichen Handlungen teilnehmen zu dürfen (Eucharistie, Abendmahl, Konfirmation usw.), Verlust des aktiven und passiven Wahlrechts (Kirchenvorstand, Pfarrgemeinderat, Presbyterium), Verlust der Befähigung zur Übernahme des Patenamtes. Verweigerung des kirchlichen Begräbnisses. Einzelheiten und die konkrete Praxis der Durchsetzung hängen gelegentlich auch von der jeweiligen Gemeinde und deren Pfarrer ab und müssen an Ort und Stelle ermittelt werden.